Der feine Unterschied zwischen informieren und involvieren | trurnit Blog

Der feine Unterschied zwischen informieren und involvieren

Ich finde Informationen doof. Meist überfluten sie mich sinnlos. Betreffen sie mich, sorgen sie allzu oft für Ärger. Wer informiert, hofft insgeheim, nicht weiter belästigt zu werden.

Der klassisch informativen Floskel „wir möchten Sie darüber in Kenntnis setzen, dass…“ folgt zwangsläufig eine beschlossene Sache. Meinungen, Ideen oder Rückfragen sind unerwünscht.

„Wer informiert, hofft, nicht weiter belästigt zu werden. Meinungen, Ideen, Fragen sind unerwünscht“

Wir produzieren zu viele Informationen

So erinnert auch die Unternehmenskommunikation der alten Schule an eine militärische Befehlskette: Das Unternehmen informiert seine Kunden über neue Produkte, Preiserhöhungen oder anstehende Unannehmlichkeiten. Dröge war diese Form der Einbahn-Kommunikation damals, aber immerhin war sie gelernt und akzeptiert.

Heute sind wir alle Verleger: Über Blogs, Social-Media-Accounts und Desktop-Publishing publizieren wir rund um die Uhr. Wir erzeugen eine solche Informationsflut, dass viele Menschen einfach abschalten. Diesem Umstand ist mein fatalistischer Einleitungssatz geschuldet: Ich finde Informationen doof.

Personalisierung schmeichelt

Was mir hingegen schmeichelt, ist die zunehmende Personalisierung der Medien. Sieht man sich meinen Amazon-Account an, könnte man meinen, das Unternehmen arbeite ausschließlich daran, mich glücklich zu machen. Klar: Dahinter stecken kluge Algorithmen, die mir überflüssige Informationen vom Hals halten. Auch wenn mir ihre Intelligenz manchmal Angst macht – insgesamt bin ich ihnen dankbar.

Allem Zeitgeist zum Trotz gibt es sie immer noch, die informativen Medien. Immerhin ahnen deren Herausgeber inzwischen, dass ihre Inhalte größtenteils ungelesen in digitalen und analogen Mülleimern landen. Beleidigt und gekränkt drohen sie damit, gar nicht mehr zu kommunizieren. Über Jahrzehnte etablierte Unternehmensmedien werden leichtfertig eingestampft – oftmals mit desaströsen Folgen. Am Ende steht meist die teure Wiedergeburt der totgesagten Medien.

Runter vom hohen Ross

Etwaige Kurzschlussreaktionen kann und sollte man sich ersparen. Nur weil man nicht mehr gehört wird, muss man nicht gleich verstummen. Vielmehr gilt es, vom hohen Ross abzusteigen und sich die Frage zu stellen: Was wünschen die Kunden? Idealerweise beantwortet diese Frage die Zielgruppe selbst. Gerade die digitalen Medien bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, um sich Feedback einzuholen. Am Ende steht ein kontinuierlicher Dialog.

Dabei reicht es nicht aus, Informationen mit einem Rückkanal auszustatten. Was soll ich auf eine nackte Information erwidern? Wer sich mit mir unterhalten möchte, muss Interesse an meiner Meinung signalisieren – echtes Interesse.

„Heute braucht es kreative Mitarbeiter, um Unternehmensbotschaften in relevante Geschichten zu packen“

Mut zur Offenheit

Dialog setzt einen offenen Umgang miteinander voraus. Dabei gilt es, sich auf eine Augenhöhe zu begeben. Wer Interesse signalisiert, läuft kaum noch Gefahr, als arroganter Informationssender wahrgenommen zu werden. Die Kunden werden als wertvoller Teil eines Unternehmens geschätzt.

Was bei allem Dialog bleibt, sind die strategischen Botschaften eines Unternehmens. Die Kunst liegt in deren authentischer Übermittlung. Wo früher die Fachabteilungen Informationen im Juristendeutsch für eine Publikation beisteuerten, braucht es heute kreative Mitarbeiter, die Botschaften in relevante Geschichten verpacken. Eine Geschichte, die Emotionen weckt, den Leser involviert und somit zum Dialog animiert – eben keine Informationen.

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