Sprache und Mediennutzung: "Ortho" - was? | trurnit Blog

Sprache und Mediennutzung: "Ortho" - was?

„Da kann Einer noch so brillant schreiben und detailiert sein Vachwissen ausbreiten, mit der Ortografie steht und fällt die Seriösität eines Artikels“ – diese Aussage werden vor allem die Älteren unterschreiben. Aber erst, nachdem sie die insgesamt sieben Rechtschreibfehler in diesem Satz getilgt haben!

Und damit gleich zur Hauptfrage: Wie wichtig ist heute noch Orthografie beim Kommunizieren? Gerade die Millennials, die mit Internet und Social Media aufgewachsen sind, gehen mit den Rechtschreibregeln deutlich großzügiger um. Ihnen kommt es offenbar mehr auf die Botschaft an, weniger auf die Form. Google nimmt’s da schon genauer und straft Texte ab, wenn der Bot viele Fehler entdeckt (weshalb dieser Beitrag wahrscheinlich niemals gut ranken wird).

„Digital Natives hängen nicht am Komma, sie kommunizieren über Emoticons.“

Immer mehr Fehler

Für die Generationen davor ist das Thema noch präsenter. Sie stolpern häufiger über Fehler im Text. Denn die korrekte Rechtschreibung gilt ihnen als ein entscheidender Faktor für die Vertrauenswürdigkeit eines Textes und die Kompetenz des Verfassers. Eigentlich sind die Zeiten für diese anspruchsvollen Leser ganz gut: Bei der Kommunikation in E-Mails oder SMS, Facebook oder Twitter werden die hin und her geschickten Texte immer kürzer. Und auch in den Online-Medien und den traditionellen Publikationen geht der Trend zum leichter verdaulichen Lesehappen. Damit gibt es pro Text weniger Möglichkeiten für Rechtschreibfehler. Leider gilt das aber nur relativ gesehen, absolut sind mehr Fehler als früher zu registrieren. Weil auf mehr Kanälen viel mehr kommuniziert wird. Und weil Social Media neue Formen der Kommunikation hervorgebracht hat: Digital Natives hängen nicht am Komma, sie tauschen sich über Emoticons aus.

Korrekt kommt klarer

Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt wie ein Schulmeister klinge: Gerade die, denen es auf ihre Botschaft ankommt, sollten auf die Form achten. Rechtschreibregeln sind mehr als nur lästige Vorschriften. Wer die Schriftsprache als Instrument beherrscht, kann sie gezielt einsetzen. Und er hilft dem Leser bei der Sortierung der Botschaft. Über Groß- und Kleinschreibung ergeben sich Bedeutungsunterschiede, ein richtig gesetztes Komma verbessert die Lesbarkeit eines Satzes und stellt einen logischen Bezug her. Es ist halt ein gewaltiger Unterschied zwischen „Wir essen, Oma“ oder „Wir essen Oma“!

Mut zur Lücke

In den Medien gilt also möglichst Fehlerfreiheit und im beruflichen Kontext nach außen auch. Also bei den wichtigen Texten im Zweifel im Duden nachschlagen oder noch einmal nachdenken, sollte das Schreibprogramm etwas rot markieren. Und vier Augen sehen sowieso mehr als zwei. Unter Kollegen und im Privaten – und damit packe ich den Schulmeister gleich wieder weg – kann man die Sache entkrampfter angehen. Vielleicht müssen die Älteren nachsichtiger werden und lernen, einzelne Fehler nicht gleich als Beinbruch zu nehmen – auch wenn orthografisch und orthopädisch dieselbe Vorsilbe haben.

„Orthografisch gesehen befindet sich der Mensch im permanenten Optimierungsmodus.“

Wenn dann aber schon Fehler vorkommen, dann sollten es unbedingt die richtigen sein. Wie das geht, zeigt folgender Satz, der bereits länger im Netz kursiert:

„Es ist eagl, in wcheler rhnfgeeloie die bstuchbaen in eniem wrot snid. whictig ist, dsas der etrse und der lztete bstuchbae am rtigeichn paltz snid.“

Weil die Menschen ein Wort als Ganzes erfassen und nicht jeden Buchstaben einzeln wahrnehmen, können sie auch gut mit Fehlern umgehen und diese automatisch ausbügeln. Damit diese Fähigkeit nicht verkümmert, braucht es wohl sogar hin und wieder Fehler!

Technik hinkt hinterher

Man muss also keine Angst vor Fehlern haben. Denn unser körpereigenes Autokorrektur-Programm ist fast immer aktiv. Unbedingt ausschalten sollte man dagegen die Autokorrektur in Computer, Tablet und Smartphone. Die liefert wirklich unterirdische Ergebnisse, tilgt den letzten Rest an Klarheit und setzt groben Unfug in die Welt. Das aber orthografisch einwandfrei!

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