Social Intranet: kein Facebook fürs Unternehmen | trurnit Blog

Social Intranet: kein Facebook fürs Unternehmen

War for talents – der Kampf um richtig gute Mitarbeiter: In Deutschland ist er voll entbrannt. Auch EVU und Stadtwerke können ein Lied davon singen. Wer es schafft, echte High Potentials für sich zu erobern, darf sich glücklich schätzen. Unternehmen lassen sich dafür einiges einfallen: Handwerksbetriebe bieten zur Ausbildung gleich noch den Führerschein mit an, für Berufseinsteiger gehört das Firmen-Smartphone zur Grundausstattung und die garantierte Work-Life-Balance ist schon gar keiner Erwähnung mehr wert.

Doch einmal an Bord des Unternehmens ist die Sache nicht erledigt. Im Gegenteil. Die Fluktuation ist hoch und die Zeiten, da Mitarbeiter Jahre und Jahrzehnte bei einem Arbeitgeber blieben, gehören der Vergangenheit an.

Ansprüche an die interne Kommunikation steigen

Ein wesentlicher Faktor dafür, dass sich Menschen in Unternehmen wohl fühlen, persönliches Engagement entwickeln und eine Perspektive für sich sehen, ist die interne Kommunikation. „Machen wir!“ – Ja, aber wie? Am historischen Schwarzen Brett, auf der  Betriebsversammlung, im Mitarbeitermagazin oder gar in einem Intranet? Für die Mitarbeitergeneration seit der Jahrtausendwende reicht das nicht aus. Sie sind es gewohnt, in Echtzeit zu kommunizieren und zwar in alle Richtungen. Nicht nur top down. Dabei ist das gesprochene oder geschriebene Wort nicht mehr alles, auch hier sagen Bilder viel mehr. Am besten in Form von Videos.

„War for talents – der Kampf um gute Mitarbeiter ist entbrannt. Mit Schwarzen Brettern, Betriebsversammlungen und statischen Intranets sind Millenials kaum zu begeistern. Kommunikation in Echtzeit und in alle Richtungen ist Trumpf. @trurnitGruppe http://trurn.it/Xjzm“

Social Intranet? Ja schon, aber aufs „Wie“ kommt’s an!

Die Lösung: Ein Social Intranet oder auch Enterprise Social Network (ESN) muss her, besser gestern als heute. Die wilde Entschlossenheit mancher Unternehmen führt jedoch oft zu rascher Ernüchterung. Die Ansage des Chefs, dass die Firma nun auch ein „Facebook für Mitarbeiter“ hätte, wirkt auf die meisten Millenials eher befremdlich. Für sie sind nämlich die sozialen Medien der Privatsphäre vorbehalten, und da kommt der Chef bekanntlich oder hoffentlich nicht vor.

Wie man es macht, ist es also verkehrt? Nicht unbedingt, wenn man das Wörtchen „Wie“ ernst nimmt. Nicht einfach machen, sondern richtig machen. Mit Konzept und … Kommunikation.

Den Mitarbeitern die Ziele erklären

In einer Untersuchung hat der Harvard Business School (HBM 02/2018) herausgefunden, dass eine falsche Positionierung Mitarbeiter eher davon abschreckt, sich im ESN zu bewegen. Nicht nur die Abneigung gegen die Vermischung von Privatem und Beruflichem spielt hier eine Rolle, sondern auch die Sorge, dass zu viel Aktivität als Ausweis für zu wenig produktive Beschäftigung gedeutet werden könnte. Unternehmen, die bei der Einführung ihres Social Intranets klar die Zielsetzung und die Ausrichtung kommunizieren, helfen ihren Mitarbeitern, diese Klippen zu überwinden.

Informeller Austausch von Fachwissen

Eine Zielsetzung kann zum Beispiel sein, den informellen Austausch von arbeitsbezogenen Inhalten zu fördern. Daraus wird deutlich: Das ESN ist kein digitaler Freizeitpark auf Firmenkosten, sondern dient Unternehmensinteressen. Wer sich hier austauscht, steht nicht unter dem Generalverdacht, sich vor der Arbeit zu drücken, sondern wird als aktiver, engagierter Mitarbeiter geschätzt.

So geht „Betriebsfamilie“ im digitalen Zeitalter

Ein scheinbarer Widerspruch: In einem solchen Kontext sollen und werden auch private Interessen und Kontakte eine Rolle spielen. Wie beim Flurfunk auch, denn Menschen interessieren sich nun einmal für andere Menschen. Und Sympathie macht auch auf einer digitalen Plattform die Zusammenkunft angenehmer und leichter. Nichts wäre also hinderlicher, als private Posts zu unterbinden. In Unternehmen, die eine gewisse Größe haben oder über mehrere Standorte verteilt sind, kennen sich nicht alle Mitarbeiter. Im Social Intranet lernen sie, auch unbekannte Kollegen besser einzuschätzen und Vertrauen in Person und Kompetenz zu entwickeln. Signale dafür sind Reaktionen auf Posts, eigene Beiträge, Likes.

Verbreitung von Expertenwissen fördert den Erfolg

Harvard Business hat durch den Vergleich von zwei Testgruppen mit und ohne Zugang zum Social Intranet ermittelt, dass die Nutzer des ESN um 31 Prozent erfolgreicher bei der Expertensuche im Unternehmen waren als ihre Kollegen, die die Plattform im selben Zeitraum nicht nutzen durften. Noch mehr Erfolg hatten sie bei der Vermittlung von Experten innerhalb des Firmennetzwerks: Zu 88 Prozent gelang es, Kontakte herzustellen: „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der …“

Erfolge teilen macht alle stolz

Selbst Mitarbeiter, die sich nicht aktiv beteiligen, haben im Social Intranet die Chance, von anderen zu lernen, ihr Wissen zu erweitern, Kompetenzen kennenzulernen und ein besseres Gefühl für die Bandbreite und Leistungsfähigkeit ihrer Kollegen und des Unternehmens insgesamt zu bekommen. Neben allen praktischen Vorteilen erwächst und nährt sich hieraus ein professioneller Stolz auf das eigene Arbeitsumfeld. Erfolge, die sonst nur innerhalb eines Bereichs, einer Abteilung oder eines Standortes wahrgenommen würden, können über diesen Kanal mit allen geteilt werden. Stolz und Erfolge wiederum sind maßgebliche Faktoren der Mitarbeiterbindung.

„Die Einführung eines Social Intranets wird kein Unternehmen verändern. Aber Unternehmen, die sich verändern, profitieren von Systemen, die den Wissensaustausch und die Vernetzung unter Kollegen fördern. @trurnitGruppe http://trurn.it/Xjzm“

Wie verhält sich die Führung im Social Intranet?

Erfolgskritisch für jedes Social Intranet ist das Verhalten der Führungskräfte. Gehen Stadtwerke-Chefs mit gutem Beispiel voran oder sind sie im besten Fall Zaungast? Strafen sie Fragen von Kollegen an Kollegen gleich mit klugen Kommentaren ab? Tragen sie selbst ihre Fragen und ihr Wissen ins ESN? Greifen sie das Thema in ihren Gesprächen mit Mitarbeitern auf, erklären sie die Vorteile und ermutigen sie ihre Teams?

Klare Regeln oder Laissez-faire?

Als wir unser ESN Coyo bei trurnit eingeführt haben, haben wir so gut wie keine Regeln aufgestellt. Wir beobachten, dass ein Social Intranet gewöhnungsbedürftig ist und nicht jeder gleich voll einsteigt. Es gibt auch im zweiten Jahr noch viele stille Beobachter. Manchen ist es zu viel, was da an Informationen, Anregungen und Unterhaltung bei ihnen ankommt. Anderen ist es immer noch zu wenig.

Viele positive Überraschungen

Unterm Strich steht fest, dass wir alle mehr voneinander erfahren als zuvor, Wissen aktiv geteilt wird, Redundanzen vermieden werden, weil Kollegen mitbekommen, wenn sich andere mit ähnlichen Themen beschäftigen. Wir kommen schneller zu bereichs- und standortübergreifenden Lösungen und finden immer Kollegen, die bei besonderen Fragestellungen helfen können. Und wir überraschen uns gegenseitig – mit tollen Projekten, kreativen Ansätzen und inspirierenden Beiträgen.

Eigeninitiative und Gestaltungsfreiraum

Ganz frisch hat sich eine Social-Media-Projektgruppe gebildet, die interdisziplinär zusammengesetzt ist und unsere interne wie kundenbezogene Kommunikation weiterentwickelt. Aus eigener Initiative – und auch das ist etwas, was Mitarbeiter zu schätzen wissen: Gestaltungsfreiraum und Selbstverwirklichung im Beruf. Auf in den Kampf um die Talente!

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