Smart Home und E-Mobility – die Hoffnung stirbt zuletzt | trurnit Blog

Smart Home und E-Mobility – die Hoffnung stirbt zuletzt

Beim Sport gilt: Erfüllt ein Nachwuchssportler über mehrere Jahre die in ihn gesteckten Erwartungen nicht und ist auch keinerlei Tendenz in dieser Richtung zu erkennen, dann wird er nicht mehr als Talent geführt. Was passiert, wenn man das auf Smart Home und die E-Mobility anwendet, die beiden „ewigen“ Hoffnungsträger im Energiemarkt?

Mit den Vorhaben wollen sich die Stromversorger neue Geschäftsfelder erschließen: Beim einen drängen sie in die Privathaushalte, um per automatischer Steuerung und Überwachung zusätzliche Dienste anzubieten. Und bei der Elektromobilität streben sie in den Verkehrsbereich, um Strom als alternativen Treibstoff an den Mann zu bringen.

Deuten auf die Politik

Beide Projekte laufen schon lange Zeit, kommen aber nicht richtig in die Puschen. Warum? Bei der Elektromobilität macht die Branche mangelnde politische Unterstützung als Hauptgrund aus. Dieses Argument wurde erstens auf dem „Autogipfel“ Ende April faktisch außer Kurs gesetzt. Zweitens beinhaltet diese Denke einen Kurzschluss. Das oft zitierte Henne-Ei-Problem, also die Entscheidung, ob man zunächst eine umfassende Lade-Infrastruktur aufbaut oder ob man die Autos gleich und zunächst nur mit privater Lademöglichkeit anbietet, ist kein so großes Hindernis wie behauptet. Bei Aussicht auf durchschlagenden Erfolg würden die Beteiligten nämlich beides gleichzeitig und nebeneinander angehen – die Mobilfunkbranche hat es doch längst vorgemacht!

„#SmartHome und #eMobility sind als Lösungen nicht ausgereift – wo bleibt der erkennbare Nutzen?“

Am Markt vorbei

Tatsache ist, dass beide Vorhaben einen Mangel an sich haben: Sie sind als Lösungen nicht ausgereift, weil entweder die Techniker oder die Kaufleute oder beide zusammen nicht ausreichend geliefert haben. Erkennbar ist das an der mangelnden Nachfrage: Die Kunden interessieren sich zwar allgemein für die neuen Technologien, nicht aber für das vorhandene Angebot. Weil sich ihnen der Nutzen nicht erschließt. Und wo kein Nutzen, da keine Nachfrage und also auch kein Geschäft! Oder andersrum: Wäre für die Kunden in den Angeboten ohne weiteres ein schlagender und einfach zu erlangender Nutzen ersichtlich, das Interesse wäre längst vorhanden!

Keine Anreize

Beispiel Smart Home: Was bietet das bisher? Optimistisch gerechnet geht es ums Energiesparen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Obendrauf gibt es noch ein sicheres Gefühl über die Fernkontrolle per App. Der Rest sind bisher nur Versprechen. Das soll der ganze Anreiz sein, sich eine Smart Home-Infrastruktur einzurichten? Mit Marketing allein kann man das nicht ausgleichen.

Auf der Standspur

Bei der E-Mobilität ist der Hauptmangel, dass sich der Nutzer, um diese Art von Mobilität zu nutzen, stark den Eigenheiten der Technik unterwerfen muss – Stichwort Reichweitenangst. Das macht die E-Mobilität für den Verbraucher nicht nur im Handling sperrig, sondern zusammen mit den hohen Kosten und den mangelnden Lademöglichkeiten alles andere als alltagstauglich. Nur eine technikaffine Minderheit schreitet tatsächlich zur Tat. Und spektakuläre Auftritte wie vor kurzem bei der Vorstellung des „Model 3“ von Tesla beweisen weniger, wie attraktiv reine E-Mobilität sein kann, als, dass es sich dabei weiter nur um ein Nischenprodukt handelt, das vom konventionellen Markt sehr, sehr weit entfernt ist.

„Die Branche sollte bei #SmartHome und #eMobility mehr vom Kunden her denken und neu durchstarten“

Wo bleibt der Nutzen?

Auch hier sind die Anbieter im Soll: Die Strombranche und die Autobranche müssen bequemere und wirtschaftlichere Lösungen schaffen mit einem Nutzen, der sich einfach erschließt, und den alle haben wollen. Bislang ist ein solcher nicht ersichtlich. Unter diesen Voraussetzungen entsteht kein Massenmarkt – trotz hoher Kaufzuschüsse und trotz behördlichem Vorbild!

Neustart notwendig

Zurück zur Ausgangsfrage: In der bisherigen Verfassung erfüllen die beiden Hoffnungsträger der Strombranche die in sie gesetzten Erwartungen nicht! Sowohl Smart Home als auch die E-Mobilität sind zwar interessante Technologien mit Potenzial und stoßen auf allgemeines Interesse, finden aber keine Nachfrage. Vielleicht sollte man über einen Neustart nachdenken, der technisch wie ökonomisch mehr als bisher vom Kunden her denkt – mit neuen Angeboten und einfacheren Lösungen, die die Kunden überzeugen.

Gelingt dieser nicht, muss man auch mal loslassen können. Und die bisher in den beiden Vorhaben gebundenen Ressourcen für andere, praktikablere Innovationen einsetzen. Das wäre dann die sportliche Lösung!

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