Wie ticken Jugendliche? Sinus-Studie 2016 | trurnit Blog

Wie ticken Jugendliche? Sinus-Studie 2016

Vor kurzem wurde die neue SINUS-Studie veröffentlicht, die die Lebenswelten und die Einstellungen deutscher Jugendlicher zwischen 14 und 17 Jahren beschreibt. Aufgrund der Ergebnisse der SINUS-Studie rümpften die Medien über diese Gruppe heftig die Nase. Ist die nächste Generation wirklich so schlimm? Und was hat das mit Kundenkommunikation zu tun?

Mediale Schelte für die Generation Mainstream

Generation Mainstream: Tenor der medialen Schelte war, die Kids seien spießig und zu angepasst. Außerdem zu brav, zu unpolitisch und zu konsumorientiert. Und das sind noch die harmloseren Urteile. Manche Kommentatoren malten das Bild verhätschelter, desinteressierter Youngster mit wenig Bildung, dafür aber viel Faulheit.

Das alles sagt mehr über die Kritiker aus als über die Kritisierten. Erstens darf nämlich ohne Bedenken bezweifelt werden, dass diejenigen, die von den Jugendlichen mehr Widerspruch einfordern, den auch wirklich wollen. Käme es nämlich zu einer deutlicheren Kritik, würde ihnen das garantiert auch nicht passen. Und der Nachwuchs würde umgehend als idealistische Träumer und als besonders undankbar beschimpft.

Eigentor für nörgelnde Journalisten

Zweitens: Sollten wirklich einige der genannten Urteile zutreffen, hätten es die Kritiker mit nichts anderem zu tun als mit dem Produkt ihrer eigenen Erziehungsarbeit. Das betrifft vor allem die Generation, die am heftigsten an den Jugendlichen herumnörgelt. Und es gilt auch für die Journalisten, die dann ihren Job als mediale Erzieher nicht vernünftig erledigt haben. Drittens tut sich eine generelle Frage auf: Konnte es überhaupt jemals eine nachfolgende Generation der vorhergehenden Recht machen?

Fazit: Die Schelte geht vollkommen an der Sache vorbei. Und es ergibt sich kein besonderer Grund, über die Jugend herzuziehen. Zumal diese Übung seit Anbeginn der Menschheit ebenso beliebt wie nutzlos ist.

„Die mediale Kritik an der Generation Mainstream sagt mehr über die Kritiker als über die Jugendlichen aus.“

Nachwuchs präsentiert die Bandbreite der Gesellschaft

Was die Studie zeigt, ist, dass auch die aktuelle Generation an Jugendlichen in ihrer normativen Grundorientierung die gesamte Bandbreite der Milieus abbildet und dass sie soziokulturell sehr heterogen ist – vom konservativ-bürgerlichen bis hin zum sozialökologischen, von den experimentierenden Hedonisten bis zu den erfolgsorientieren Netzwerkern. Es dominiert das adaptiv-pragmatische Milieu mit hoher Leistungs- und Familienorientierung. Es existiert ein ausgeprägtes nachhaltiges und gemeinwohlorientiertes Milieu. Der Anteil derer, die Lifestyle orientiert sind und neue Grenzen austesten wollen, nimmt zu.

Generell für alle Unternehmen erfreulich ist, dass sich die nächste Kundengeneration durch eine stark ausgeprägte Konsumorientierung auszeichnet. Man hat es mit aufgeklärten Verbrauchern zu tun, die offen sind für neue und optimierte Produkte und Dienstleistungen und auch bereit, bei entsprechendem Vorteil auch mehr dafür zu bezahlen.

Local Heroes haben gute Chancen bei der Jugend

In der Kundenkommunikation heißt es daher, bei Angeboten und Botschaften differenziert an die spezifische Lebenswelt des angesprochenen Milieus anzudocken. Es gilt die jeweiligen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Damit kommt man deutlich näher an die Zielgruppe heran. Gleichzeitig ergeben sich neue Inhalte für die Positionierung: Problemlöser sind gefragt und je enger diese an vertraute Werte, Bezugssysteme und geografische Räume anknüpfen, desto größer die Glaubwürdigkeit und die Aussicht auf Erfolg. Local Hero steht nach wie vor hoch im Kurs.

„In der Kundenkommunikation heißt es, mit Angeboten differenziert an die spezifische Lebenswelt der angesprochenen Zielgruppen anzudocken.“

Nun zurück zur Ausgangsfrage: Mit den Jugendlichen ist alles in Ordnung, das Umfeld hingegen arbeitet mit eher fragwürdigen Maßstäben. Und man kann mit den Youngsters auch kommunizieren – vielleicht sogar effizienter und direkter als bisher! Mit Beschimpfungen kommt man da erfahrungsgemäß nicht weit. Wer kommunikativ wirken will, darf sich nicht auf eine bequeme Position zurückziehen, sondern muss verstehen lernen, was Jugendliche bewegt.

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