Kundenbindung: Warum EVU sich mit der Zeit beschäftigen sollten | trurnit Blog

Kundenbindung: Warum EVU sich mit der Zeit beschäftigen sollten

Zwei Top-Kreativagenturen haben ihre Kunden zu Weihnachten vom Thema „Zeit“ überzeugt. Sowohl Edeka als auch Otto besetzen das Thema. Und im Grunde seit geraumer Zeit ja auch Aldi mit seiner Kampagne „Einfach ist mehr“.

Welche Umsetzung Ihnen besser gefällt, entscheiden Sie selbst. Interessant ist doch, warum das Thema a) so präsent auf der Agenda steht – gerade bei Unternehmen, die uns keine Zeit, sondern mehr Produkte verkaufen wollen – und b) ob das nicht ein Thema für das ganze Jahr ist? Gerade für Unternehmen wie lokale Stadtwerke, die das Thema Lebensqualität der Kunden im Markenkern haben? Hier zwei Thesen für höhere Kundenbindung – für mehr habe ich keine Zeit, schließlich muss ich noch Weihnachtsgeschenke shoppen:

These 1: Die Kunden sind überinformiert

Ging man früher vom dummen Verbraucher aus, haben wir es heute mit dem überinformierten Kunden zu tun. In beiden Fällen ist die Lösung für seine Lebensqualität und damit hohe Kundenzufriedenheit darin zu finden, den Kunden zu helfen. Früher durch Information, heute mit Reduktion.

„Kundenzufriedenheit und Kundenbindung erreichen Versorger heute durch Reduktion. Weniger ist mehr!“

Helfen wir den Kunden beim Selektieren und Filtern von relevanten und hilfreichen Informationen. Wir sollten also verstärkt darauf achten, dass wir für den Kunden wertvolle und relevante Informationen und Services bieten. Denn wenn es um Lebensqualität geht, dreht sich alles, Nomen est Omen, um mehr Qualität, nicht um mehr Quantität. Qualität erzeugt Kundenbindung. An diesem Leitsatz sollte sich das Marketing ausrichten – nicht nur zu Weihnachten.

These 2: Mehr vom Gleichen macht nicht glücklicher

Was heißt das für uns, wenn sich zusätzliche Wertschöpfung nicht mehr nur über den Verkauf von mehr vom Gleichen, sondern zunehmend durch eine intensivere und individueller ausgestaltete Kundenbeziehungen realisieren lässt?

Prof. Shoshana Zuboff sieht hier eine immer größer werdende Kluft zwischen Anbietern und Kunden, da viele Unternehmen ihr Handeln nur am „Verkaufsakt“ ausrichten. Hauptsache, das produzierte Gut ist weg und das Geld in der Kasse. Der Kunde wird als Verbraucher gesehen, der das „verbraucht“, was produziert wurde. Leider denken und agieren die meisten Anbieter weiterhin in dieser Logik der Massenproduktion. So produzieren sie, so organisieren sie den Vertrieb und so richten sie auch ihre Kommunikation und Marke aus.

„Der Faktor „Zeit“ wird zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal für Versorger im Wettbewerb!“

Zeit etwas zu ändern

Dabei gibt es für viele von uns einfach von allem zu viel. Ein Blick in ein typisches Kinderzimmer oder unter einen Weihnachtsbaum zeigt das mit aller Deutlichkeit. Und die Kluft zwischen Kunden mit wenig Geld und viel Zeit und Kunden mit viel Geld, aber wenig Zeit wird immer größer. Daher gilt es, in Zukunft für beide Konsumentengruppen attraktive Angebote zu schnüren.

Der Faktor Zeit spielt in den Märkten von morgen eine immer größere Rolle. Sei es in Form von Produkten, die ich schnell und ohne großen Zeitaufwand konsumieren kann (Convenient-Food); oder von Angeboten, in die ich gern meine Zeit investiere beziehungsweise verschwende (Heimwerker-Markt). Zeit wird zur neuen Leitwährung und zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal für Versorger im Wettbewerb. Zeit schenken dient der Kundenbindung.

Zeit für ein Buch?

Aber, lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Zeit kann man nicht sparen, auch nicht vor Weihnachten, sondern man sollte sie verschwenden. Und zwar für die Dinge die einen glücklich machen. Zum Beispiel für ein gutes Buch zum Thema Zeit: Momo – von Michael Ende.

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