Die Energiewende krankt am eigenen Erfolg | trurnit Blog

Die Energiewende krankt am eigenen Erfolg

Es ist schon erstaunlich: Auf der einen Seite kommt der Umbau der Energieversorgung in Deutschland flott voran und die Menge des eingespeisten Ökostroms erreicht immer neue Rekordwerte. Gleichzeitig hat man den Eindruck, dass das öffentliche Interesse an der Energiewende spürbar nachlässt. Woran liegt das? Und was folgt daraus für die Stadtwerke sowie Regionalversorger und deren Kommunikation?

Eigentlich könnte man sich zurücklehnen: Die Energiewende ist beschlossene Sache, der Klimaschutz läuft! Die Politik ist dran und die Wirtschaft auch. Aber: Wer professionell mit den Medien zu tun hat, bemerkt, dass das Thema Energiewende seit dem Pariser UN-Klimagipfel im vergangenen Jahr deutlich weniger „bespielt“ wird. Das Interesse geht zurück. Warum?

„Klimaschutz und #Energiewende polarisieren nicht mehr, sie sind Alltag. Also fast schon langweilig.“

Die Wahrnehmung wechselt

Als erste und einfachste Antwort drängt sich diese Vermutung auf: Das Thema gerät ins Hintertreffen, weil die Politik neue, dringlichere Aufgaben auf die Agenda setzte. Das lässt sich nicht bestreiten. Leider wird das dem Thema Energie nicht gerecht. Weil eine gut funktionierende Energieversorgung für jedes Land von eminenter Bedeutung ist – gerade für einen Industriestandort wie Deutschland! Daran gibt es keinen Zweifel.

Konsens langweilt

Mit dieser Feststellung kommt ein zweiter möglicher Grund für das nachlassende Interesse ins Blickfeld: der Erfolg der Energiewende. War die Notwendigkeit des Umbaus früher Gegenstand eines heftigen politischen Streits und öffentlicher Auseinandersetzung, ist sie mittlerweile Konsens. Fast alle Entscheider und Akteure sowie die große Mehrheit der Bevölkerung finden, dass das der richtige Weg ist. Und sie sind sich einig, dass es diese neue, sauberere, sichere und wirtschaftliche Art der Energieerzeugung braucht. Nachdem die Staaten auf dem UN-Klimagipfel beschlossen haben, die Energiesysteme voll auf erneuerbare Energien umzustellen, haben nun sich auch die G20-Staaten geeinigt, die Treibhausgasemissionen zu beschränken und verstärkt in nachhaltige Infrastruktur zu investieren.

Es geht nur noch um das „Wie“

Es geht also nicht mehr um die Frage, ob der Umbau der Energieinfrastruktur erfolgen soll, sondern nur noch, wie das passiert. Gerade in Deutschland, das hier als Vorbild agiert. Und damit hat man einen weiteren möglichen Grund, warum es um das Thema ruhiger geworden ist: Das Rebellische ist weg. Klimaschutz und Energiewende sind keine zu diskutierenden Nischenthemen mehr, sondern praktischer Alltag. Womit der Reiz des Neuen verloren gegangen ist. Nun wird im Wesentlichen nur noch um Details gestritten, um die Durchführung, die Regulierung und die Finanzierung.

Green Energy zieht Investoren an

Von der technischen Seite her bleibt das Thema natürlich weiter spannend, denn dank massiver Forschungsbemühungen gibt es bei den erneuerbaren Energien regelmäßig Fortschritte zu vermelden. Den wichtigsten Sprung hat die Technik aber längst geschafft: Erneuerbare Energien arbeiten schon jetzt so wirtschaftlich, dass das große Geld einsteigt und Projekte vorantreibt. Das Geschäft mit regenerativen Energien und deren Technologien ist so lukrativ geworden, dass sich Regierungen und privates Kapital viel vom Umstieg versprechen, Geld in die Hand nehmen und in klimafreundliche Infrastruktur investieren. Wobei das Finanzsystem auch deswegen immer „grüner“ wird, weil andere lukrative Anlagenmöglichkeiten in der anhaltenden Krise rar geworden sind.

„Aufgabe der #Stadtwerke ist es, die #Energiewende zu kommunizieren. Immer wieder. Dann kommt sie an.“

Kommunikation wirkt durch Wiederholung

Die Diskrepanz zwischen geringer öffentlicher Präsenz und gesellschaftlicher Relevanz des Themas verweist auf zwei Grundregeln der Kommunikation: Es existiert meist eine deutliche Kluft zwischen der tatsächlichen Situation und ihrer öffentlichen Wahrnehmung. Und Kommunikation bleibt eine Daueraufgabe. Das Beispiel führt schlagend vor Augen, das es nicht damit getan ist, etwas ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Ein Thema oder ein Bild, dass man vermitteln möchte, muss weiter und periodisch inszeniert werden.

Die Menschen vor Ort einbeziehen

Was also bedeutet das nachlassende öffentliche Interesse für die Kommunikationsarbeit der Stadtwerke? Ganz einfach: Diese muss einspringen, mehr übernehmen und wieder Dynamik in die Sache bringen! Im Wesentlichen geht es dabei darum, mit spannenden Geschichten das Bewusstsein der Bürger für die Notwendigkeit der Energiewende und des Klimaschutzes auf hohem Niveau zu halten. Und damit auch deren Interesse und Bereitschaft, sich dafür zu engagieren. Die Energiewende erhält einen deutlichen Impuls, wenn die Menschen sie aktiv mitgestalten. Stadtwerke müssen deshalb deutlich machen, wie Klimaschutz die Lebensqualität vor Ort verbessert. Erst dann ändern die Kunden ihr Nutzungsverhalten, verwenden ausschließlich Ökostrom im Haushalt, bei Mobilität und Konsum. Sie sollen erkennen, dass die Energiewende kein anonymes Projekt ist, mit dem sie nichts zu tun haben. Denn besonders hier gilt die Wirkungskette „Global – national – regional – lokal“ bis hinunter zum privaten Lebensumfeld!

Der Stoff, aus dem Local Heroes entstehen

Stadtwerke sind in Sachen Klimaschutz und Energiewende die Player vor Ort und anerkannte Experten – von der Erzeugung und Verteilung bis zur effizienten Anwendung in Wirtschaft, Haushalt und Kommune. Das zeigen entsprechende Projekte. Stadtwerke legen zusammen mit der Kommune Klimaziele fest, erzeugen Ökostrom, speisen ihn ein und liefern ihn. Dabei alle Möglichkeiten und Perspektiven aufzuzeigen, ist ihre wichtigste kommunikative Aufgabe. Das steigert zugleich die lokale Identität. Und die ist das Lebenselixier kommunaler Versorger, oder – um im Titelbild zu bleiben – der Wind, der sie antreibt!

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